
Anwendungsbericht: Füllbinder H in Grundleitung und Hauptkanal
Bei der Verfüllung eines Hohlraums unter einer Straße lief Füllbinder H in die Entwässerung – über 70 Meter Grundleitung bis in den Hauptkanal.
Projektdaten
| Auftraggeber | Kommunaler Versorger in Oberbayern (auf Wunsch des Auftraggebers nicht namentlich genannt) |
| Anlass | Verfüllung eines Hohlraums unter einer Straße |
| Eingebrachtes Material | Füllbinder H (hydraulisch abbindender Dämmer) |
| Betroffene Strecke | eine komplette Haltung von rund 70 Metern, Schacht zu Schacht – Grundleitung bis Hauptkanal |
| Rohrmaterial | SML-Guss (muffenloses Gussrohr) – beide Abschnitte |
| Nennweite | DN 250 (Grundleitung / Straßensammler) und DN 100 (Hausanschlussleitung) |
| Verfahren | Wasserhöchstdruck mit Rotationsdüse, 2.500 bar |
| Einsatzdauer | eine Woche |
| Ergebnis | Leitung vollständig frei, Bestand erhalten |
| Zeitraum | September 2026 |
Ausgangslage
Unter einer Straße im Versorgungsgebiet war ein Hohlraum entstanden. Solche Hohlräume werden üblicherweise mit einem hydraulisch abbindenden Dämmer verfüllt – hier mit Füllbinder H. Das Material wird dünnflüssig eingebracht, damit es den Hohlraum vollständig ausfüllt, und bindet anschließend zu einem festen Körper ab.
Genau diese Eigenschaft wird zum Problem, wenn das Material einen Weg in die Entwässerung findet. Im vorliegenden Fall lief der Dämmer in die Grundleitung und von dort weiter bis in den Hauptkanal. Betroffen war eine komplette Haltung von rund 70 Metern – die gesamte Strecke von Schacht zu Schacht. Beim Abbinden entstand daraus ein durchgehender, fester Verschluss.
Das ist der Unterschied zwischen einem Pfropfen und einem Totalverschluss: Nicht ein Abschnitt der Haltung war zugesetzt, sondern die Haltung. Für die Beurteilung ändert das alles – bei einem lokalen Pfropfen stellt sich die Frage nach dem Erhalt der Leitung gar nicht erst, bei einer vollständig verfüllten Haltung unter einer Straße sehr wohl.
Die Haltung umfasste dabei zwei Abschnitte unterschiedlicher Dimension: eine Hausanschlussleitung DN 100 und der Straßensammler DN 250. Das ist für die Ausführung kein Nebensatz – was im DN 250 an Werkzeugführung möglich ist, stellt im DN 100 eine andere Aufgabe dar. Beide Abschnitte bestehen aus SML-Guss und mussten in einem Einsatz freigelegt werden. Dass Material und Wandaufbau über die gesamte Strecke gleich waren, hat die Arbeit vereinfacht: Düse, Druck und Vorschub mussten nicht zwischen zwei Rohrwerkstoffen abgewogen werden, sondern nur an die beiden Nennweiten angepasst werden.
Ein solcher Schaden hat zwei Seiten. Technisch ist die Entwässerung außer Betrieb, und zwar nicht nur für ein Gebäude, sondern für einen Abschnitt des öffentlichen Netzes. Wirtschaftlich steht sofort die Frage im Raum, ob die Leitung erhalten werden kann oder ob aufgegraben und erneuert werden muss – bei 70 Metern unter einer Straße ein erheblicher Unterschied.
Warum das kein Fall für die normale Rohrreinigung ist
Eine Spirale und auch eine gewöhnliche Hochdruckspülung arbeiten gegen Ablagerungen – gegen Fett, Sand, Schlamm, Wurzeln. Abgebundener Dämmer ist kein Belag, sondern ein kraftschlüssiger Körper, der sich mit der Rohrwand verzahnt hat. Er lässt sich nicht durchstoßen und nicht wegspülen.
Wer es trotzdem versucht, riskiert zweierlei: Das Werkzeug bleibt stecken, und die Rohrwand nimmt Schaden. Gerade bei Steinzeug, Guss und älteren Betonrohren ist der Grat zwischen „Material abgetragen“ und „Rohr beschädigt“ schmal.
Was hier zählt, ist ein Verfahren, das härter als der Dämmer, aber schonender als die Rohrwand ist – und das unter ständiger Sichtkontrolle arbeitet. Dafür kommen der Fräsroboter und der Wasserhöchstdruck in Frage, je nach Material und Nennweite auch beides nacheinander.
Befund und Verfahrenswahl
Vor jedem Werkzeugeinsatz stand die Kamerabefahrung. Sie beantwortet die Fragen, von denen alles Weitere abhängt:
- Wo genau beginnt und endet der Verschluss?
- Ist die Leitung vollständig zu oder bleibt ein Restquerschnitt?
- Aus welchem Material besteht das Rohr – und in welchem Zustand ist es?
- Gibt es Bögen, Abzweige oder Schächte, die den Zugang begrenzen?
- Ist das Rohr unter dem Dämmer überhaupt noch intakt?
Gegen eine Aufgrabung sprach in diesem Fall nicht die Technik, sondern die Nachbarschaft. Die Leitung verläuft in einem gewachsenen Ortsbereich mit alter Bausubstanz. Der Auftraggeber wollte Erschütterungen im Umfeld vermeiden – die Sorge war, dass Vibrationen aus Aufbruch- und Verdichtungsarbeiten Risse in den angrenzenden Gebäuden verursachen könnten.
Das ist eine Überlegung, die in der Kalkulation selten auftaucht und trotzdem alles entscheidet: Ein Rissschaden an einem Altbau lässt sich im Nachhinein kaum noch einem anderen Auslöser zuordnen. Wer ihn einmal am Hals hat, zahlt länger daran als an jeder Kanalarbeit. Damit war nicht mehr die Frage, ob grabenlos gearbeitet wird, sondern nur noch wie.
Durchführung
Gearbeitet wurde ausschließlich mit Wasserhöchstdruck – ohne mechanischen Fräskopf. Zum Einsatz kam eine Rotationsdüse auf einem hydraulischen Fahrwagen bei einem Arbeitsdruck von 2.500 bar, geführt gegen die Fließrichtung.
Die Arbeitsrichtung ist dabei kein Detail. Gegen die Fließrichtung zu arbeiten bedeutet, dass gelöstes Material mit dem Wasser zum Zugang zurückläuft, statt weiter in den Hauptkanal geschoben zu werden. Bei einer Verfüllung über diese Länge entscheidet sich genau daran, ob ein Problem gelöst oder nur verlagert wird.
Das abgetragene Material trat wässrig aus der Leitung aus und wurde unmittelbar von einem Saugfahrzeug aufgenommen. Es gelangte damit weder weiter ins Netz noch in die Umgebung.
Durchgehend wurde unter Kamerakontrolle gearbeitet: Der Fortschritt ist in Echtzeit sichtbar, und es lässt sich jederzeit erkennen, ob noch Material ansteht oder bereits die Rohrwand erreicht ist.
Ergebnis
Die komplette Haltung von rund 70 Metern wurde wieder freigelegt – von Schacht zu Schacht, in SML-Guss der Nennweiten DN 250 und DN 100. Die Leitung war anschließend vollständig frei, der Bestand blieb erhalten. Der Einsatz dauerte insgesamt eine Woche.
Vermieden wurden damit drei Dinge: die Aufgrabung der Straße über die betroffene Strecke, die dafür nötigen Sperrungen – und die Erneuerung der Leitung. Der vorhandene SML-Guss blieb liegen und in Betrieb.
Was Betreiber und Bohrunternehmen daraus mitnehmen können
Zeit ist der wichtigste Faktor
Solange der Dämmer noch nicht vollständig abgebunden hat, ist der Aufwand ungleich geringer. Wer den Verdacht hat, dass Material in die Entwässerung gelaufen ist, sollte nicht bis zum nächsten Werktag warten. Jede Stunde verändert die Härte.
Nicht selbst durchstoßen
Der Reflex, mit Spirale oder Hochdruck „mal zu schauen, ob es aufgeht“, verschlechtert die Lage regelmäßig: Steckengebliebene Werkzeuge und beschädigte Rohrwände machen aus einem lösbaren Fall einen Aufgrabungsfall.
Aufgraben ist selten alternativlos
Auch bei langen Strecken unter befestigten Flächen lässt sich in vielen Fällen grabenlos arbeiten. Die Entscheidung fällt nach dem Kamerabefund – nicht vorher.
Diese Angaben helfen bei einer Anfrage
Je genauer die Ausgangslage beschrieben ist, desto belastbarer ist die erste Einschätzung am Telefon:
- Welches Material ist eingelaufen – Dämmer, Füllbinder, Zementsuspension, Beton, Estrich?
- Wann ist es passiert – Stunden oder Tage?
- Wie weit reicht es vermutlich, und ist der öffentliche Kanal betroffen?
- Rohrmaterial und Nennweite, soweit bekannt
- Gibt es Schächte oder Reinigungsöffnungen als Zugang?
- Liegt bereits eine Kamerabefahrung vor?
Wenn Angaben fehlen, ist das kein Hindernis – das meiste klärt die Kamerabefahrung vor Ort.
Darauf können Auftraggeber sich verlassen
Spezialtechnik statt Abriss
Fräsroboter mit Spezialfräsköpfen und Wasserhöchstdruck bis 3.000 bar lösen Beton, wo Spirale und Spülung längst aufgeben.
Alles unter Kamerakontrolle
Wir dokumentieren Befund und Ergebnis per TV-Kamera – wichtig für die Haftungsfrage gegenüber dem Verursacher.
Günstiger als ein neues Rohr
Grabenlos statt aufgraben: Betonentfernung ist fast immer günstiger als Rückbau und Neuverlegung – mit klarem Preis nach Kamerabefahrung.
100 % echte Einsatzfotos
Alle Bilder stammen aus unseren eigenen Einsätzen – kein Stockmaterial.
Häufige Fragen zu Baustoff im Kanal
Kann eine Leitung nach 70 Metern Verschluss überhaupt erhalten werden?
In vielen Fällen ja. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern der Zustand der Rohrwand unter dem abgebundenen Material und die Zugänglichkeit über Schächte. Beides klärt die Kamerabefahrung vor dem ersten Werkzeugeinsatz. Aufgraben ist die letzte Option, nicht die erste.
Wie schnell muss gehandelt werden, wenn Dämmer in den Kanal gelaufen ist?
So schnell wie möglich. Hydraulisch abbindende Materialien wie Füllbinder gewinnen über Stunden und Tage an Festigkeit. Was am ersten Tag noch vergleichsweise einfach zu lösen ist, verlangt eine Woche später deutlich mehr Aufwand. Ein Anruf noch am Schadenstag verändert die Kalkulation spürbar.
Können wir es nicht selbst mit Hochdruck versuchen?
Davon raten wir ab. Abgebundener Dämmer ist kein Belag, sondern ein fester Körper, der sich mit der Rohrwand verzahnt. Spirale und normale Hochdruckspülung richten dagegen nichts aus – aber sie können Werkzeug festsetzen und die Rohrwand beschädigen. Aus einem lösbaren Fall wird so ein Aufgrabungsfall.
Arbeiten Sie auch für Stadtwerke, Kommunen und Bohrunternehmen?
Ja. Schäden dieser Art entstehen fast immer im gewerblichen Umfeld – bei Hohlraumverfüllungen im Straßenbau, beim Verpressen von Erdwärmesonden und Brunnen oder im Rohbau. Wir rechnen auf Rechnung ab und dokumentieren den Einsatz per Kamera so, dass die Unterlagen für Nachweis und Haftungsklärung verwendbar sind.
Was kostet ein solcher Einsatz?
Das hängt von Länge, Nennweite, Rohrmaterial, Härte des Materials und Zugänglichkeit ab – eine Pauschale wäre unseriös. Nach der Kamerabefahrung nennen wir einen belastbaren Preisrahmen, bevor Werkzeug eingesetzt wird.